Abstraktion und Struktur
-Einführung-

 

 

Abs|trak|ti|on , die; -, -en [spätlat. abstractio]

Das Wort Abstraktion (lat. abstractus – „abgezogen“, Partizip Perfekt Passiv von abs-trahere – „abziehen, entfernen, trennen“) bezeichnet meist den induktiven Denkprozess des Weglassens von Einzelheiten und des Überführens auf etwas Allgemeineres oder Einfacheres.

In der [ab-] bildenenden Kunst ist Abstraktion einerseits die mehr oder weniger ausgeprägte stilistische Reduzierung der dargestellten Dinge auf wesentliche oder bestimmte Aspekte. In diesem Fall spricht man davon, dass vom Allgemeinen auf das Wesentliche abstrahiert wird. Was als wesentlich gilt, bestimmt einerseits die Kreativität des Künstlers, andererseits die Wahrnehmung des Betrachters.

Andererseits bezeichnet der Begriff in der Kunst verschiedene Strömungen der Moderne oder der zeitgenössischen Kunst , deren Merkmal sogar die völlige Abwesenheit eines konkreten Gegenstandsbezuges ist. ( Abstrakte Kunst , insbesondere Abstrakte Malerei ) Hierbei muss der Betrachter seine individuelle Fähigkeit zur Abstraktion zunehmend erweitern, um die vom Künstler gemachten Veränderungen noch nachvollziehen zu können.

Sara Straub interpretiert Abstraktion so:

Die Abstrakte Kunst ist eine Richtung der Malerei und Plastik des 20. Jahrhunderts, die als Folge der Entwicklung der Fotografie auftrat. Sie ist der Versuch, eine Welt reiner Formen aufzubauen, ähnlich dem Reich der Ornamentkunst. Diese Kunst verzichtet also auf jegliche Art von gegenständlicher Abbildung und ihre Werke aus reinen Formen, oder höchstens angedeuteter Gegenständlichkeit komponiert. Dabei beschränkt sich die Abstrakte Kunst auf die bildnerischen Faktoren von Form, Farbe und Material. Das Ergebnis eines abstrakten Werkes ist eine autonome künstlerische Aussage, ohne Bezug auf die Außenwelt.

Begründer der Abstrakten Kunst ist Wassily Kandinsky, der mit seinen expressionistischen Arbeiten 1911 begann. Bekanntester deutscher Künstler ist Paul Klee. Der Begründer der künstlerischen / abstrakten Fotografie war Man Ray, der e igentlich Emanuel Rudnitzky hieß. Seine erste Ausstellung war 1914.

 

Struk|tur , die; -, -en [lat. Structura]

Unter Struktur (von lat. : structura = ordentliche Zusammenfügung, Bau , Zusammenhang; bzw. lat.: struere = schichten, zusammenfügen) versteht man das Muster von Systemelementen und ihrer Wirkbeziehungen ( Relationen ) untereinander, also die Art und Weise, wie die Elemente eines Systems aufeinander bezogen sind (durch Beziehungen „verbunden“ sind), so dass ein System bzw. Organismus funktioniert (entsteht und sich erhält). Als Muster bezeichnet man sichtbare Oberflächenzeichnungen oder - struktren .

•  “Durch die Abbildung von Strukturen erhält der Betrachter einen Eindruck davon, wie sich ein Objekt anfühlt.” John Hedgecoe

•  Strukturen findet man eigentlich überall, auf Metall, Holz, Steinen, Pflanzen und natürlich auch in der Architektur. Sobald die Oberfläche eines Objektes besondere Merkmale hat, können wir von Strukturen sprechen. Diese müssen nicht unbedingt (an)geordnet sein, denn dann wären wir ja beim Muster.

•  Diese Strukturen aufzunehmen wird dann zur Aufgabe, wenn man sie erkannt hat und dann auch weiß, wie man sie mit der Kamera “herausfühlen” kann.

•  Wichtig scheint auch hier die Isolation von anderen Bestandteilen, das näher heran, die Fokussierung, das Herausarbeiten des wesentlichen Charakters der Struktur.


Was heißt das alles? Eigentlich weiß niemand genau was abstrakte Fotografie ist. Viele glauben aber zu wissen, was nicht abstrakte Fotografie ist.

•  Die Abstrakte Fotografie ist eine gegenstandslose Fotografie.

•  Ein wichtiger Punkt der Abstrakten Fotografie ist, dass das Foto das fotografierte Objekt so darstellt, wie man es im Alltag nicht wahrnimmt. Bei der Abstrakten Fotografie ist nicht das Objekt, welches fotografiert wird das Wichtige, sondern das Ergebnis.

•  Es zählt die Harmonie zwischen den dargestellten Objekten, wie sie angeordnet sind, die Struktur der Objekte, die Farbe und die Größenverhältnisse, schlussendlich wie das Foto als Ganzes wirkt.

•  Abstrakte Fotografie ist eine Art zu fotografieren, bei der immer etwas verändert wird, von Foto zu Foto, jedes Mal wird mit etwas Neuem experimentiert. Abstrakte Fotografie braucht immer neue Ideen. Diese Ideen können von der Art des Blickwinkels oder der Beleuchtung, bis hin zur Inszenierung eines ganzen Fotos reichen. Wichtig ist nur, dass sie da sind. Die Abstrakte Fotografie lebt, sie ist stetig in Veränderung und immer neu.

•  Gottfried Jäger sagte, die Abstrakte Fotografie sei eine „Fotografie der Fotografie“ Wenn man dieses Zitat auf die Abstrakte Kamerafotografie anwendet, die sich mit Makro- und Mikrostrukturen befasst, wird man die Aussage bestätigen können. Hier werden „ die Strukturen der Fotografie mittels der Fotografie selbst unter die Lupe genommen; es wird also das gemacht was metaphorisch das Anliegen der Abstrakten Fotografie insgesamt ist: nämlich eine Isolierung und Emanzipierung von fotografischen Oberflächenstrukturen.“

 

Matthias Bayer --- alle Beispielfotos von Matthias Bayer

 

 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alle Fotos © Marlies Bachert